[Off Topic] Was passiert eigentlich in einer Buchdruckerei?


Dieser Beitrag entstand zusammen mit tarodreams.

Unstreitig ist der längste Prozess bei der Entstehung eines Buches, den Stoff aufzuarbeiten, ein Manuskript zu schreiben, einen passenden Verlag zu finden, sich auf alles Wesentliche zu einigen und das Buch fertigzustellen. Ohne Probleme können da schon mal Jahre ins Land ziehen. Was im Gegensatz dazu nicht mehr ganz so lange – aber natürlich dennoch seine Zeit – dauert, ist das Drucken des Buches. Zugegeben, ich habe mir, obwohl ich Tag für Tag Bücher konsumiere, noch nie Gedanken darüber gemacht, wo und wie diese überhaupt gedruckt, veredelt und gebunden werden, welcher Aufwand und welche Ideen möglicherweise dahinterstecken. Im Rahmen meiner Ausbildung durfte ich allerdings zwei Tage in einem der größten Druckereibetriebe Europas hineinschnuppern und einige interessante Dinge lernen, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte und die meine Sicht auf Bücher definitiv noch einmal etwas verändert haben.

Sobald ein Manuskript eingereicht und vom Lektor redigiert wurde, muss es gesetzt werden, das heißt in ein drucktaugliches Format gebracht werden. Während früher größte Handarbeit dahintersteckte, ist der Prozess heute nahezu ausnahmslos digitalisiert. Das Ganze wird in InDesign angefertigt und am Ende in eine druckfertige PDF-Datei verwandelt, die an die Druckerei geschickt wird.

Die Druckerei hat nun das fertige PDF vor sich, nimmt lediglich noch einige Feinarbeiten vor und steht dann vor zwei Möglichkeiten, dem Offsetdruck und dem Digitaldruck. Da technische Erläuterungen an dieser Stelle definitiv zu weit führen würden, werde ich versuchen, beide Möglichkeiten nur grob zu umschreiben.

papierrollen

Beim Digitaldruck wird ein Tintenstrahldrucker  genutzt. Dieser unterscheidet sich nicht viel von einem Drucker, der in den meisten Haushalten zu finden ist – außer natürlich in der Größe und in der Qualität. Gedruckt wird – wie auch beim Offsetdruck – auf tonnenschweren, meterlangen Papierrollen. Bisher können im Digitaldruck vornehmlich kleinere Auflagen (bis zu einer Auflagenhöhe von 3.000 Exemplaren) gedruckt werden – dafür ist das gesamte Verfahren aber günstiger als der Offsetdruck.

offset und farbenDer Offsetdruck zeichnet sich durch höhere Qualität aus. Allerdings ist dieses Verfahren kostspieliger, da zuerst Aluminiumdruckplatten hergestellt werden müssen. Jede  Druckplatte kann pro Auflage nur einmal verwendet werden und wird anschließend recycelt. Die Druckplatten sind beschichtet und werden an jenen Stellen, die gedruckt werden sollen, mit Laser belichtet. Anschließend wird die Beschichtung abgewaschen und übrig  bleiben nur die belichteten Stellen. Da die Beschichtung farbanziehend ist, bleibt nur an den gewünschten Stellen Farbe hängen. Abschließend wird die Platte auf A1 Bogenpapier gepresst. Bei einfarbig bedruckten Buchseiten muss dies nur einmal gemacht werden. Handelt es sich jedoch um eine mehrfarbige  Seite, wie zum Beispiel ein Buchcover, muss  für jede verwendete Farbe eine eigene Aluminiumplatte hergestellt werden. Hierfür werden die vier Farben des CMYK-Farbmodells benutzt: Cyan (Blau), Magenta (Rot), Yellow (Gelb) und Key (Schwarz).

digitaldrucker und wasserstrahl als falzerleichterung

Gedruckt wird nicht direkt im handlichen Buchformat – die Druckplatten sind wesentlich größer und es werden gleich mehrere Seiten neben- und übereinander gedruckt. Daher müssen das Bogenpapier, vor allem aber auch die bedruckten Rollen so gefaltet werden, dass die Seiten zum Schluss im A5-Format übereinander liegen. Das Ganze wird durch einen hauchfeinen Wasserstrahl ermöglicht, der auf das Papier gespritzt wird und so das Falten mittels der Maschinen erleichtert. Besonders wichtig ist hier auch die Laufrichtung der Fasern des Papiers: Wird nicht darauf geachtet, dass diese parallel zum Bund des Buches laufen, beeinträchtigt es die Qualität eines Buches enorm, da das Produkt sich in dem Fall beim Durchblättern steif verhält, nicht offen liegen bleibt und es zu Falzbrüchen kommt. In Groß Britannien beispielsweise wird aus Kostengründen nicht immer auf die „richtige“ Papierlaufrichtung geachtet – wir kennen doch alle diese unglaublich steifen Bücher, bei denen die Seiten sich schon förmlich wellen und die sich absolut dagegen weigern, offen liegen zu bleiben, oder?

So, inzwischen haben wir unseren gefalteten Buchblock vor uns. Jetzt werden Vor-und Nachsatz angeklebt. Der Buchblock besteht noch aus zwei Büchern, die erst auseinander geschnitten werden müssen. Das liegt an der Art, wie das Papier bedruckt wird – ich hatte ja schon oben erwähnt, dass auf einer Druckplatte mehrere Seiten und manchmal sogar komplett unterschiedliche Buchprojekte gleichzeitig gedruckt werden. Zum Schluss wird der gesamte Buchblock dann sauber auseinander geschnitten.

Für ein gebundenes Buch muss nun ein Deckenband hergestellt werden. Dieser besteht aus zwei dicken Buchdecken, einer dünnen Einlage im Buchrücken und dem Bezugsmaterial. Die Buchdecken und die Einlage sind aus Graupappe. Das Bezugsmaterial umfasst die Pappe und damit ist der Deckenband schon fertig. Zwischen den Deckenband und den Buchblock kommt noch ein Kapitalband und eventuell ein Lesebändchen. Dann werden das Vorsatz- und Nachsatzpapier an die Pappen des Deckenbandes geklebt. Zu guter Letzt wird das Buch mit einem Schutzumschlag versehen und anschließend gegebenenfalls eingeschweißt.

Beim Softcover sieht die Welt ein bisschen anders aus: Es existieren nur der Buchblock und ein Cover aus einfachem Kartonpapier. Das Cover wird mittels einer Klebebindung am Buchrücken des Buchblocks befestigt. Erst dann wird das Softcover an allen drei Seiten beschnitten. Insgesamt ist der Vorgang hier wesentlich schneller und mit weniger Materialkosten verbunden, was natürlich auch die wesentlich günstigeren Preise, die für Taschenbücher gelten, erklärt.

Gesprochen haben wir jetzt nur über die Klebebindung als Bindungsart. Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit, ein Buch beispielsweise mit Fadenheftung oder Ringbuchheftung zu binden. Diese Varianten sind allerdings teurer und damit nicht besonders üblich.

veredelung 1

Das Spannendste ist mitunter die Covergestaltung, denn es gibt inzwischen wirklich viele großartige und teilweise auch sehr aufwendige Möglichkeiten, um ein Buch zu veredeln. Am häufigsten wird wohl lackiert – das bedeutet, dass das Produkt einen schönen Oberflächenglanz erhält. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ihn aufzutragen – er kann beispielsweise die gesamte Fläche bedecken, oder aber nur partiell aufgetragen werden. Es können verschiedene Lacke eingesetzt werden, sie alle haben jedoch leider gemeinsam, dass sie die Umwelt belasten, da sie zum einen die Luft verschmutzen, zum anderen aber auch schlecht zu recyceln sind.

Jeder ist doch schon einmal mit seinen Fingern über ein Buch gefahren, das ein erhabenes oder vertieftes Relief auf der Papieroberfläche aufweist – es sieht nicht nur schön aus und fühlt sich schön an, sondern gibt einem Buch auch direkt ein hochwertigeres Aussehen. Für das Prägen gibt es besondere Maschinen und es müssen natürlich auch Prägestempel genutzt werden, die entweder aus Messing (teurer, schwerer, dafür längere Haltbarkeit) oder aus Magnesium (günstiger und leichter, dafür nicht besonders langlebig) angefertigt werden. Damit wird das Druckerzeugnis durch Druck und eventuell auch Hitze mit den entsprechenden Werkzeugen oder Maschinen verformt – es gibt die Möglichkeit der Hochprägung, das heißt Bildteile oder Schriftzüge sind erhaben oder aber der Tiefprägung, bei der die Bildstellen oder Schriftzüge dementsprechend vertieft werden.

veredelung 2

Eine weitere Möglichkeit der Veredelung ist das Laminieren bzw. Kaschieren. Dabei wird eine transparente, matte, glänzende oder strukturierte Kunststofffolie auf das Druckerzeugnis aufgebracht, die das Buch schützen soll, aber durchaus auch ästhetische Zwecke erfüllen kann, etwa wenn es sich um eine besondere Folie handelt, die gegebenenfalls sogar Glitzer- und Hologrammeffekte enthält. Oftmals werden Buchumschläge komplett laminiert. Die Folie wird mit einer speziellen Maschine aufgebracht, die unter großer Hitze und mit Hilfe wasserlöslichen Leims eine Plastikfolie über das Produkt zieht. Sehr geschmackvoll und schön anzusehen sind auch Heißfolienprägungen. In dem Fall wird das Druckerzeugnis nur partiell mit matter oder glänzender Folie überzogen bzw. im Heißfoliendruck geprägt womit ein metallener oder besonders matter Eindruck erzeugt wird. Das geschieht ganz einfach dadurch, dass die Beschichtung der Folie durch Druck und Hitze herausgelöst und auf das Produkt geprägt wird.

Die Druckerei, die wir besucht haben, ist außerdem bekannt dafür, bunte Farbschnitte produzieren können. Wie das funktioniert, wurde uns aber leider nicht erklärt – das ist ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis. ;)

Puh, das war ganz schön viel, oder? So ging es mir bei dem Rundgang ehrlich gesagt auch – vor allem, weil es natürlich auch sehr laut dort war und man sich total konzentrieren musste, um die ganzen wichtigen und interessanten Infos aufzuschnappen. Unser Besuch war natürlich auch nochmal um einiges technischer – wir haben vor allem auch viel über die Vor- und Nachteile der Digitalisierung geredet, was ich persönlich als sehr spannend empfand, was hier aber einfach den Rahmen sprengen würde. Für mich war dieser Ausflug in die Druckerei aber eine sehr wertvolle Erfahrung – ich habe unglaublich viel gelernt und betrachte Bücher jetzt nochmal mit völlig anderen (und – falls das möglich ist – mit noch verliebteren) Augen.


Habt ihr noch Fragen? Dann gerne in die Kommentare damit! Ansonsten möchte ich mich nochmal herzlich bei tarodreams bedanken, insbesondere für die tollen Fotos, die sie gemacht und mir zur Verfügung gestellt hat!

 

19 Kommentare zu „[Off Topic] Was passiert eigentlich in einer Buchdruckerei?

Gib deinen ab

  1. Danke für den interessanten Beitrag! Ich habe vor etlichen Jahren einmal eine Buchdruckerei im Rahmen eines Schulausfluges be sucht – leider war ich da noch zu jung um die ganze Tragweite davon zu erfassen. Aber spannend war es allemal. Schön, dass du einen kleinen Einblick in die vielen Prozess hinter der Entstehung eines Buches gegeben hast!
    Liebste Grüße,
    Ida

    1. Liebe Ida, vielen Dank für dein Feedback, das freut mich sehr! Ich glaube auch, dass man je älter man wird, nochmal eine andere Sichtweise auf solche Prozesse kriegt – spannend war es aber wirklich allemal!

      Viele liebe Grüße
      Liesa

  2. Wow, super interessant!
    Danke für den coolen Einblick.
    Ich glaube sofort, dass man Bücher dann nochmal anders sieht und wertschätzt wenn man diesen Prozess mal miterlebt hat.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Ach, das freut mich, dass der Beitrag so gut ankommt, danke für dein Feedback Nicci! War erst sehr unsicher, ob ich ihn wirklich posten sollte, weil ich die Befürchtung hatte, es würde niemanden so recht interessieren, aber diese Ängste waren ja glücklicherweise grundlos. :)

      Liebste Grüße
      Liesa

      1. Sehr gerne :)
        Menschen sind ja manchmal etwas lesefaul, aber ich fand deinen (langen) Text trotzdem sehr interessant :) Ein toller Einblick, den man ja sonst nicht unbedingt bekommt.

  3. Ah mega interessant. Meine Mutter arbeitet damit ja auch viel und ich weiss noch, wie sie immer neugierig meine englischen Buecher angeschaut hat, als ich angefangen habe auf Englisch zu lesen (und meistens kritisiert hat, welch schlechtere Qualitaet der Buchdruck hat :D). Da steckt wirklich so viel mehr dahinter, als man sonst so glaubt. Aber voll cool dass ihr diese Exkursion gemacht und in der Richtung etwas mehr gelernt habt! Und danke fuer die Berichterstattung :D

    1. Haha, wie witzig! Ich hab mich ehrlich gesagt schon immer gefragt, woran das mitunter liegt, dass englische Bücher so „schlecht“ produziert sind. :D Voll cool jedenfalls, dass deine Mama das auch so sieht! Und danke für dein Feedback! <3

  4. Dieses Mal kann ich zwar keinen Roman kommentieren ;), aber dennoch sagen, dass ich deinen Beitrag total spannend finde! Sowas bekommt man ja nicht alle Tage zu sehen.

    Auf dem einen Bild mit dem Buchblock sieht man ja noch, wie rauh die Seiten des Buches sind, bevor sie ordentlich geschnitten werden. Als ich im Dezember in einer Buchhandlung gearbeitet hab, hab ich mal ein Leseexemplar bekommen, das noch so aussieht. Jetzt hab ich verstanden, wieso :D. Ergibt irgendwie Sinn, dass man bei LEs noch nicht alle Produktionsschritte durchgeht, weil es ja nicht wichtig ist, dass sie schon perfekt sind.

    Liebe Grüße :)

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