[Lesemonat] Dezember


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„Es war einmal eine Frau, die ihren Mann nicht sonderlich liebte“ – Ljudmila Petruschewskaja: Einerseits finde ich es wirklich gut, dass ich dieses Jahr doch öfter mal zu Kurzgeschichten gegriffen habe – mit diesem Band landete ich allerdings einen völligen Griff ins Klo. Nicht nur, dass sich viele Motive in sämtlichen Geschichten immer wiederholten und man die „Plot Twists“ schon zig Seiten vorher riechen konnte, so konnte mich auch der wirre Schreibstil nicht so richtig für sich begeistern. Einige Ideen fand ich zwar auch ganz interessant, gerade gegen Ende des Buches gab es einige wirklich schöne und auch rührende Stories, aber im Großen und Ganzen gefiel mir selbst bei diesen Geschichten die Umsetzung nicht besonders gut. Schade Marmelade.

„The Night Before Christmas“ – Nikolaj Gogol: Die letzten Jahre habe ich es mir zu einer kleinen Tradition gemacht, zu Weihnachten einen der Penguin Christmas Classics zu lesen. „The Night Before Christmas“ hat mir mein Stiefpapa vor Jahren schon ans Herz gelegt und ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe. Die kurze Geschichte ist sehr magisch, etwas verrückt und reicht von urkomisch bis supergruselig. Sehr kurzweilig und mit teilweise sehr unsympathischen Charakteren, aber insgesamt war es doch ein wirklich amüsantes Buch, das ich sicher noch einige Male an Weihnachten lesen werde.

„Was wichtig ist“ – Joanne K. Rowling: Aus verschiedenen Gründen kann ich mit Joanne K. Rowling nicht mehr so gut, einige ihrer Tweets und Aussagen in der letzten Zeit haben mich wirklich sehr enttäuscht. Vielleicht fiel es mir deshalb auch etwas schwerer, die Rede von ihr, die sie vor einigen Jahren vor Harvard-Absolventen hielt, zu bewerten. Einerseits gefiel mir ihre Ansprache wirklich gut, denn wie es so ihre Art ist, fordert die Autorin zur Fantasie auf, erzählt vom Scheitern – auch von ihrem eigenen – von Träumen und Zielen und dem Leben. Zum anderen hatte ich leider einfach die ganze Zeit den negativen Beigeschmack der aktuellen Debatte auf der Zunge, konnte das, was Rowling beschreibt, nicht unbedingt mit ihrem gegenwärtigen Handeln im Einklang bringen. Dennoch – ich werde sicherlich noch des Öfteren in diesem dünnen Büchlein blättern und nach Inspirationen in den Illustrationen aber auch in den Worten suchen.

„Winter im Mumintal“ – Tove Jansson: Irgendwie war der Dezember kein so schöner Monat. Nicht, dass mir etwas wirklich schlimmes passiert wäre, aber ich war die ganze Zeit genervt und gestresst und etwas unglücklich. Trost suchte ich bei den Mumins und wurde mit „Winter im Mumintal“ direkt etwas aufgemuntert. Wie Mumin den Winter, den er normalerweise ja sonst verschläft, erlebt fand ich wunderbar, gerade, dass er so grantig war und nichts mit dem Schnee anzufangen wusste. Und Too-Ticki ist neuerdings eh eine meiner liebsten Muminfiguren, weil sie so ruhig und empathisch und friedlich ist. Ganz im Gegensatz zu Klein Mü, die unbedingt aus dem buschigen Schwanz eines toten Eichhörnchens einen Muff nähen will, damit sie nicht mehr so friert. Ach, ich liebe die Mumins einfach.

„Muminvaters wildbewegte Jugend“ – Tove Jansson: Muminpapa ist eine der wenigen Figuren, die ich weniger leiden kann – ich glaube, weil er sich selbst einfach immer viel zu wichtig nimmt, ist er mir schon früher etwas unsympathisch gewesen. Trotzdem gefielen mir die fantasievollen Episoden aus seiner Jugend sehr gut, auch die Freunde, mit denen er damals unterwegs war und die Kreaturen, denen er damals begegnete. Wie es aber Muminpapas Art ist, übertreibt er an vielen Stellen sehr, was einerseits witzig ist, mir andererseits aber auch das ein oder andere Augenrollen entlockte. Wunderbar war es dennoch und irgendwie auch ganz anders, als die anderen Muminbücher, die ich bisher gelesen habe.

„A List of Cages“ – Robin Roe: Uff, ich weiß gar nicht, wo ich bei diesem Buch anfangen soll. Es geht um Adam und seinen Pflegebruder Julien, der allerdings dann zu seinem Onkel kommt, der ihn unfassbar schlecht behandelt. Beide Jungs erzählen aus ihrer Perspektive, vor allem geht es darum, dass Julien versucht, den Tod seiner Eltern zu überwinden und Adam, der nach und nach herausfindet, wie schrecklich Julien wirklich von seinem Onkel behandelt wird. An und für sich ein wirklich wichtiges Thema und ich schätze die Message dieses Buches auch ungemein, aber ich konnte einfach keinen Zugang zu den Charakteren finden, mir war es mehr oder weniger egal, was sie taten und so schrecklich der Hintergrund des missbrauchenden Onkels auch ist, für mich fühlte es sich einfach nicht gut umgesetzt an, vielmehr hatte ich das Gefühl, es diene lediglich einem möglichst schrecklichen Plot-Twists. Dazu kommt der Schreibstil, der jetzt nicht unfassbar schlecht war, aber an einigen Stellen doch sehr holprig und aufgesetzt wirkte. Ach und das Ende. Das war mir auch etwas too much, ehrlich gesagt.

„Das Weihnachtsgeheimnis“ – Jostein Gaarder: Mir war so richtig nach weihnachtlichen Winterbüchern und da bot sich dieses Buch, das wie ein Adventskalender aufgebaut ist, regelrecht an. Typisch Jostein Gaarder – man muss ihn und seine Art des Erzählens, inklusive religiösem und leicht philosophischen Touch, schon mögen. Mir gefiel es aber ganz gut und es war ein wirklich passendes Buch für den Dezember.

„Sag nicht, wir hätten gar nichts“ – Madeleine Thien: Ich habe ja schon in meiner Rezension Tränen darüber vergossen, dass dieses Buch leider so gar nichts für mich war – trotz der vielversprechenden Prämisse, die normalerweise ja total meinem Beuteschema entspricht. Das Ganze war mir einfach zu verworren, lang und uninteressant, um Gefallen daran zu finden – nur ein paar der Gründe, weshalb ich für diesen Roman über 6 Wochen gebraucht habe.

„Good Night Stories for Rebel Girls“ – Elena Favilli: Wow, was für ein Buch. In einem Rutsch habe ich die 100 Geschichten über außergewöhnliche Frauen verschlungen und bis auf ein, zwei imponierten sie mir auch alle mächtig! Eine ausführliche Rezension wird schon hoffentlich bald folgen – ich kann euch aber jetzt schon verraten, dass ich diese innovative Sammlung rebellischer Frauen sehr sehr mochte, auch wenn ich tatsächlich den ein oder anderen Kritikpunkt anzubringen habe. Dazu dann aber zu einem anderen Zeitpunkt mehr!


Das war mein Dezember – und damit auch der letzte Monat des vergangenen Jahres! Ich hoffe, ihr seid alle sanft und erholt in das neue Jahr gerutscht! Ich bin übermotiviert muss ich sagen und habe lauter tolle Blogpost-Ideen, die ich hoffentlich bald umsetzen kann! Bis dahin lasst mich doch gerne wissen, was ihr im Dezember gelesen habt und welches der von mir erwähnten Bücher ihr vielleicht auch schon als Gelesen verbuchen könnt.

5 Kommentare zu „[Lesemonat] Dezember

Gib deinen ab

    1. Ach, es gab einige hitzige Diskussionen auf Twitter, wegen der Besetzung der Phantastic Beasts Filme. Johnny Depp spielt dort ja den Grindelwald, eine tragende Rolle also, und nachdem er in der Vergangenheit von seiner Ex-Frau Amber Heard wegen häuslicher Gewalt verklagt wurde, finden viele Fans die Entscheidung, ihm eine solche Bühne einzuräumen, nicht ok. Dazu kommt, dass Joanne K. Rowling, die ja für die Besetzung mit verantwortlich ist, ein sehr lahmes Statement darüber abgegeben hat, von wegen, er wäre ja so nett und absolut der beste für die Rolle und es würde niemanden geben, der Grindelwald so gut verkörpern könnte. Hier ist auch nochmal eine Kurzzusammenfassung: https://www.theguardian.com/film/2017/dec/08/jk-rowling-im-genuinely-happy-to-have-johnny-depp-in-fantastic-beasts-sequel

      1. Ach ja, die Sache mit Johnny Depp. Ich finde auch, dass es eine Fehlbesetzung ist, er hat sich in der letzten Zeit ja auch schauspielerisch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber naja. Ist schon ein wenig enttäuschend, dass sie sich da nicht anders geäußert hat, aber sie hat schon so viel Gutes auf Twitter geschrieben und mehr als einen Shitstorm in Kauf genommen, ich denke, ich werde sie trotzdem weiterhin mögen.

  1. Ich habe kein einziges Buch deiner Dezember-Bücher gelesen :D
    Im Dezember gelesen habe ich The Last of the Mohicans, The Fairy Caravan, Ein Geschenk von Bob und Harry Potter und der Feuerkelch ;)

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