[Rezension] Jojo Moyes: „Mein Herz in zwei Welten“


[Diese Rezension enthält Spoiler für jene, die „Ein ganzes halbes Jahr“ und „Ein ganz neues Leben“ noch nicht gelesen haben. Solltet ihr noch vorhaben, diese Bücher zu lesen, dann empfehle ich euch, diese Besprechung nicht durchzulesen.]

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Jojo Moyes / „Mein Herz in zwei Welten“
aus dem Englischen von Karolina Fell
Rowohlt Wunderlich Verlag, 23.01.2018
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 592 Seiten, 22,95€

Inhalt

„Trag deine Ringelstrumpfhosen mit Stolz. Führe ein unerschrockenes Leben. Fordere dich heraus. Lebe einfach.“
Diese Sätze hat Will Louisa mit auf den Weg gegeben. Doch nach seinem Tod brach eine Welt für sie zusammen. Es hat lange gedauert, aber endlich ist sie bereit, seinen Worten zu folgen und wagt in New York den Neuanfang. Die glamouröse Welt ihrer Arbeitgeber könnte von Lous altem Leben in der englischen Kleinstadt nicht weiter entfernt sein. Dort ist ein Teil ihres Herzens zurückgeblieben: bei ihrer liebenswert chaotischen Familie und vor allem bei Sam, dem Mann, der sie auffing, als sie fiel. Während Lou versucht, New York zu erobern und herauszufinden, wer Louisa Clark wirklich ist, muss sie feststellen, wie groß die Gefahr ist, sich selbst und andere auf dem Weg zu verlieren. Und am Ende muss sie sich die Frage stellen: Ist es möglich, ein Herz zu heilen, das in zwei Welten zuhause ist?

Meine Meinung

Ich habe „Ein ganzes halbes Jahr“ geliebt, mochte, wie Lou in „Ein ganz neues Leben“ wieder auf die Beine gefunden hat und war sehr gespannt darauf, welche Entwicklung sich Jojo Moyes in „Mein Herz in zwei Welten“ für unseren modebewussten Lieblingstollpatsch ausgedacht hat. Egal, was man nun davon halten mag, dass aus Louisa Clarks Leben eine Trilogie gemacht wurde, für mich war das Ende ein sehr gelungener und runder Abschluss ihrer Geschichte, der mich wirklich glücklich gemacht hat.

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Was Jojo Moyes Bücher für mich jedesmal so besonders macht, vor allem deswegen, weil ich normalerweise gar keine typischen Frauenunterhaltungsromane mehr lese, ist ihr Schreibstil und ihre Fähigkeit, so ehrliche und authentische Figuren aus dem Boden zu stampfen, Geschichten zu erzählen, die real, aber dennoch irgendwie außergewöhnlich sind. Gerade Lou ist eine Protagonistin, zu der ich einfach so gerne zurückkehre. Möglicherweise etwas naiv, aber dennoch so liebenswert und offen und aufrichtig. Über sie zu lesen, fühlt sich einfach so an, als würde man eine alte Freundin wiedertreffen, man kann gar nicht anders, als sie in sein Herz zu schließen. Auch dieses Mal hat Moyes mich wieder total erwischt – ich glaube, ich habe noch nie für ein Buch von ihr länger als zwei Tage gebraucht. Sie vermag es einfach, ihre Geschichten so zu schreiben und zu erzählen, dass man das Buch nicht weglegen kann. Es wird nie langweilig, Lous Leben – und auch das ihrer restlichen Familie, an dem wir auch in diesem Band teilhaben durften – ist ein Auf und Ab an Gefühlen und Situationen, aber es passiert auch nie zu viel, dass man den Kopf schüttelt und das Gelesene als unrealistisch abstempeln würde. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber das Tempo und die Art und Weise, in der sie ihre Romane strukturiert und uns erzählt ist einfach ganz besonders und wird mir nie langweilig. Im Gegenteil – ich war richtig traurig, als „Mein Herz in zwei Welten“ zu Ende war und Lous Geschichte damit jetzt tatsächlich komplett zu Ende ist.

Aber nicht alles ist rosarote Zuckerwattewolke. Es gab an diesem Roman zwar nichts, was mich wirklich so richtig störte, aber dennoch – einige Wendungen waren meiner Meinung nach irgendwie doch zu konstruiert und vorhersehbar. Es war aufregend, Lou in New York zu begleiten und ich konnte sie mir richtig vorstellen, wie sie in ihrem ausgefallenen Stil und ihrer offenherzigen Art durch diese hektische und laute Stadt spazierte und alles um sich herum aufsog und beobachtete. Ich möchte auch gar nichts weiter über die Handlung verraten, weil ich absolut nichts vorwegnehmen möchte, aber einige Situationen und Handlungen waren dann irgendwie doch aus dem Romantikfundus ausgeliehen. Was das Buch nicht zu einem schlechteren macht – nur eben ein klitzekleines bisschen unorigineller.

Schon nach Ankündigung des zweiten Teils gab es viel Kritik darüber, warum die Geschichte um Lou und Will so ausgeschlachtet wird. Ich verstehe die Denkweise, bin aber der Auffassung, dass schon „Ein ganzes halbes Jahr“ nicht die Geschichte von Lou und Will war, sondern nur die von Lou. Insofern gefällt mir der Gedanke sehr, dass wir sie weiter begleiten durften, noch so viele Facetten von ihr kennenlernen durften und sehen konnten, wie sie nach einem so schweren Schicksalsschlag wieder ins Leben und vor allem zu sich selbst fand. Mich haben die Bücher alle sehr gerührt – der erste Band wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, aber gerade dieser dritte abschließende Teil hat sich für mich einfach wahnsinnig gut und richtig angefühlt und ich bin froh, dass die Geschichte von Lou so wunderbar zu Ende erzählt wurde.

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Ein kleines Problem hatte ich mit der Sprache bzw. der Übersetzung an zwei Stellen. Möglicherweise bin ich in der Hinsicht einfach etwas überempfindlich, aber ich stoße bei dem Satz „Jedem das Seine“ einfach sofort negativ auf, weil genau diese Worte groß über dem KZ Buchenwald hingen. Ich weiß, dass die Aussage in dem Kontext, in dem sie in „Mein Herz in zwei Welten“ verwendet wurde, absolut nicht so gemeint war und denke auch, dass das Bewusstsein, wie dieser Satz im historischen Kontext genutzt wurde, nicht bei jedem da ist, aber ich wollte es dennoch gesagt haben, eben weil der Satz bei mir sofort diese Assoziationen hervorrief und ich mir denke, dass man genau diese Aussage auch in hundert andere Worte packen kann.


Louisas Leben hat mich auch im dritten Teil der Trilogie begeistern können. Es war wieder einmal eine Achterbahnfahrt der Gefühle (wie macht Jojo Moyes das?) und ich bin unendlich froh, dass ich Lou auf ihrem abenteuerlichen Weg durchs Leben zur Seite stehen durfte. In meinen Augen hätte die Reihe nicht würdevoller und besser abschließen können – ich werde Lou und vor allem auch ihre Familie sehr vermissen.

Vielen lieben Dank an den Rowohl Verlag für das Zusenden eines Rezensionsexemplares!

10 Kommentare zu „[Rezension] Jojo Moyes: „Mein Herz in zwei Welten“

Gib deinen ab

  1. Liebe Liesa,
    ich danke dir für diese ehrliche Rezension, die mir wirklich weitergeholfen hat!
    Das ist nämlich ja auch sonst gar nicht mein Genre und von Jojo Moyes habe ich auch keine anderen Bücher/Reihen gelesen, aber „Me Before You“ hat mich damals auch unheimlich bewegt. Vom zweiten Band war ich allerdings alles andere als begeistert, weil ich daran so ziemlich alles als sehr konstruiert und auch forciert empfunden habe. Deswegen habe ich es mir jetzt gut überlegt, ob ich den dritten Band noch lesen möchte oder nicht. Aber die Neugier war eben trotzdem da und nach bzw. dank deiner Besprechung denke ich jetzt, dass ich dem Buch doch noch eine Chance geben werde – ein würdiges Ende hat Lous Geschichte nämlich wirklich verdient. Abgesehen davon ist es mir jetzt wirklich schon oft genug passiert, dass die mittleren Teile von Trilogien schwächer waren als die anderen beiden Bände, von daher bin ich jetzt, was „Still Me“ angeht, ganz guter Dinge. :)
    Viele liebe Grüße,
    Elena

    1. Liebe Elena,
      es freut mich ungemein, dass dir meine Rezension gut gefallen hat! Und du hast total recht – gerade, wenn ich jetzt den zweiten Band mit dem ersten und auch dem dritten vergleiche, ist der wirklich um einiges authentischer und besser und gibt Lou genau den Abschluss, den sie verdient hat und der – zumindest in meinen Augen – auch gut zu ihr passt! Ich wünsche dir auf jeden Fall jetzt schon viel Freude mit dem Buch!
      Liebste Grüße
      Liesa

  2. Hey!
    Ich freue mich schon total auf das Buch.
    Dein Fazit macht mir nun noch mehr Lust, wobei ich eh schon ein Fan der Reihe bin, trotz aller Kritik.
    Ich sehe die Bücher getrennt voneinander, denn Ein ganzes halbes Jahr war für mich perfekt und eigentlich abgeschlossen. Dennoch liebe ich es, weiter an Lous Leben teilhaben zu dürfen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Liebe Nicci,
      du bringst es wieder mal auf dem Punkt! Für mich stehen die Bücher – auch wenn sie irgendwie alle zusammenhängen – für sich und erzählen einfach nur Lous Leben. Ich bin gespannt, ob dir der abschließende Band so zusagt wie mir!
      Liebste Grüße
      Liesa

  3. Ich gehöre zu den Leuten, die nach „Ein ganzes halbes Jahr“ nicht unbedingt eine Fortsetzung gebraucht hätten. Allerdings hat mir der zweite Band trotzdem ziemlich gut gefallen und ich freue mich schon darauf, das Finale zu lesen. Dass es dir so gut gefallen hat, stimmt mich gerade sehr positiv. :)

    1. Ah, sehr cool! Ich hatte absolut keine Erwartungen an den dritten Band und ich glaube, deswegen konnte er mich so von den Socken hauen. Ich find ihn einfach unglaublich authentisch und das, was passiert, passt einfach unfassbar gut zu Lou. <3 Viel Spaß mit dem Buch!

  4. Ich habe mich auch nach einigem überlegen dazu entschieden das Buch zu lesen, da ich den zweiten Teil ziemlich schlecht fand.
    Allerdings konnte mich der dritte Band auch nicht ganz so begeistern wie der erste. Allerdings mochte ich es als leichte Lektüre für zwischendruch.

    Senja von Bücherfieber

    1. Mehr als eine Zwischendurch-Lektüre war es für mich auch nicht, aber ich war trotzdem positiv überrascht von der Handlung, nachdem der zweite Teil irgendwie doch sehr zäh war. Ich mochte es jedenfalls! :)
      Liebe Grüße
      Liesa

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