[Off Topic] Von meiner Ausbildung zur Medienkauffrau Digital & Print


Seit knapp einem Jahr mache ich bereits meine Ausbildung zur Medienkauffrau Digital & Print – anfangs wusste ich selbst nicht so ganz genau, was mich erwartet, war aufgeregt und nervös und stellte mir immer wieder die Frage, ob ich wirklich den richtigen Weg gegangen bin oder nicht. Letztere Frage lässt sich glaube ich nie endgültig beantworten – um wenigstens einige Frage zu meiner Ausbildung zu beantworten, habe ich euch allerdings vor kurzem auf Instagram gefragt und werde nun hier auf die mir dort gestellten Fragen gerne eingehen.

Der Einfachheit halber habe ich mich dazu entschlossen, in diesem Beitrag nur die weibliche Form, d.h. Medienkauffrau zu verwenden. Dies schließt Medienkaufmänner selbstverständlich mit ein. 

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photo by Vera Cires // via

Auf wie viele Jahre ist die Ausbildung ausgelegt?

Normalerweise ist eine Ausbildungsdauer von drei Jahren vorgesehen; üblicherweise wird diese aber auf 2,5 oder sogar 2 Jahre (wie in meinem Fall) reduziert. Das ist aber von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und kann auch, sofern bestimmte Voraussetzungen vorliegen, beantragt werden.

Was genau sind denn deine Aufgaben in dem Verlag während aber auch nach der Ausbildung?

Kern der Ausbildung zur Medienkauffrau ist das Durchlaufen sämtlicher Abteilungen eines Verlages. Im Prinzip schnuppert man also in jeden Arbeitsbereich hinein und übernimmt dort meist unterstützende Tätigkeiten, wird in den normalen Arbeitsalltag der Abteilung integriert und lernt die üblichen Arbeitsabläufe kennen. Nach der Ausbildung gibt es verschiedene Möglichkeiten – die Ausbildung erlaubt es nicht, im Anschluss daran in jeder Abteilung landen zu können (Lektorat oder aber auch Herstellung erfordern meist noch eine spezifischere Ausbildung bzw. ein Studium), möglich ist es aber vor allem Assistenzstellen einzunehmen oder im Marketing, Vertrieb oder bei den Lizenzen zu arbeiten. Außerdem gibt es noch Fortbildungen zum Fachwirt mit denen man seine eigene Position noch aufwerten und sich etwas spezialisieren kann.

Könntest du bitte ein bisschen über den Arbeitsalltag als Medienkauffrau berichten und wie du dazu gekommen bist?

Das Arbeitsleben unterscheidet sich je nach Abteilung – in einigen Abteilungen werden einem teilweise viel eigenständigere Aufgaben zugeteilt als in anderen Abteilungen, was ein bisschen aber natürlich auch vom Wissenstand abhängt. In der Regel arbeitet man aber eher zu, als dass man ein eigenes Projekt bekommt, an dem man arbeiten kann. In meiner letzten Abteilung war ich z.B. total in die Social Media Accounts mit eingebunden und durfte dort sogar eigenständig Postings vorbereiten und Newsletter schreiben, in einer anderen Abteilung habe ich mein eigenes kleines Bloggerprojekt durchführen können und meistens wird man als Azubi auch in die Veranstaltungen involviert, die der Verlag ausrichtet und steht dort helfend zur Seite. Viele Aufgaben sind aber auch reine Rechercheaufgaben oder umfassen das Anfertigen von öden Listen. Und man muss auch ganz ehrlich sein – in einigen Abteilungen hat man manchmal auch gar nichts wirklich zu tun und kann die „freie Zeit“ dann nutzen und das Verlagsprogramm checken oder sich über Backlist-Titel oder aktuelle Blogposts auf dem Verlagsblog informieren.

Nachdem ich mein Studium abgebrochen hatte, wusste ich genau, dass ich jetzt meiner wirklichen Leidenschaft folge und etwas mit Büchern machen möchte. Mir war außerdem klar, dass ich – vor allem aus finanziellen Gründen – nur ungern nochmal studieren würde – daher schaute ich mir verschiedene Ausbildungsberufe an, recherchierte, wie man in einen Verlag reinkommt, sah das Stellenangebot des Verlags, bei dem ich jetzt auch arbeite und bewarb mich, ohne groß darüber nachzudenken. Alternativ hätte ich eine Lehre zur Buchhändlerin begonnen; ich bin aber wirklich unfassbar froh, dass es im Verlag geklappt hat. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, möglicherweise auch irgendwann (wieder) in einer Buchhandlung zu arbeiten.

Lieblingsabteilung?

Ich habe noch lange nicht alle Abteilungen durch – ich war in der Presse, bei den Rechten und Lizenzen, in der Herstellung und bei den Neuen Geschäftsinitiativen, d.h. unseren Digitalen Imprints. Bis auf die Herstellung haben mir alle Abteilungen wahnsinnig gut gefallen, in der Presse und bei den Digitalen Imprints habe ich mich besonders wohl gefühlt. Die Arbeit in der Lizenzabteilung war auch super spannend, auf lange Sicht wäre das aber glaube ich nichts für mich.

In welchen Bereichen des Verlagswesens kannst du denn später arbeiten und wie ist der Verdienst?

So weh es tut, das zuzugeben, aber allein für sich ist die Ausbildung gar nicht mal so besonders wertvoll bzw. ein Garant für einen festen Arbeitsplatz. Daher stehen auch von vornherein nicht alle Abteilungen offen, Marketing, Vertrieb und Lizenzen sind die Abteilungen, in die man am ehesten reinkommt oder aber auch Assistenzstellen. Grundsätzlich ist die Buchbranche auch keine Branche in der man reich werden kann – ich kenne keine genauen Zahlen, vermute aber, dass sich das Einstiegsgehalt so um die 1.800 – 2.400 € bewegen könnte. Brutto natürlich.

Ist die Zeit in Frankfurt der einzige Theorieteil oder gehst du in Berlin ebenfalls zur Schule?

Jede Ausbildung besteht aus praktischen Elementen, die direkt im Ausbildungsbetrieb absolviert werden und aus theoretischen Teilen, die in der Schule stattfinden. Der Verlag in dem ich die Ausbildung mache hat sich entschieden, seine Auszubildenden an den mediacampus in Frankfurt zu schicken – statt also wöchentlich in Berlin die Berufsschule zu besuchen, erhalten wir unseren Theorieteil in zwei Blöcken die jeweils 9 Wochen lang sind. Das kann und will sich allerdings nicht jeder Verlag leisten, es hat aber den Vorteil, dass die Schule in der Branche besonders anerkannt ist und man wirklich von erfahrenen Dozenten lernt, die Ahnung haben von dem, was sie vermitteln. Die Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung werden dann aber bei der IHK des jeweiligen Bundeslandes abgelegt.

Was war bisher dein aufregendstes Erlebnis bei der Ausbildung? Ein kreatives Projekt z.B. oder ein Besuch eines Autors in Frankfurt?

Irgendwie ist fast alles aufregend, besonders gewertschätzt (ist das überhaupt ein Wort?) fühle ich mich aber, wenn mir tatsächlich ein Projekt übertragen wird oder eine Aufgabe, von der ich nicht gedacht hätte, dass ein Azubi sie übernehmen dürfte. Das Bloggerprojekt, das ich in der Presseabteilung initiiert habe war so etwas oder auch die Postings, die ich für die Digitalen Imprints in die Welt setzen durfte. In der Herstellung hat es mir zwar insgesamt nicht so gut gefallen, dort durfte ich aber zu einem langjährigen Projekt einen Zeitstrahl an die Flurwand der Abteilung basteln. Das war zwar sehr langwierig (weil es wirklich viele Zwischenstufen gab und weil ich es so schön wie möglich gestalten wollte), hat aber auch total viel Spaß gemacht.

Generell war auch der erste Schulblock in Frankfurt ein riesengroßes Highlight für mich. Ich hab so viel gelernt, so viele verschiedene und interessante Menschen kennengelernt und es gab wirklich tolle Veranstaltungen mit spannenden Verlagen, wie z.B. dem Verlag Hermann Schmidt, Voland & Quist oder dem Lilienfeld Verlag.

Bist du zufrieden? Glücklicher als mit Jura?

Das fragen mich immer wieder ganz viele, aber eigentlich muss man diese Frage nicht stellen, weil es so offensichtlich ist – jedenfalls für mich. Auch wenn das vielleicht blöd oder wehleidig klingt, aber mir ging es furchtbar schlecht und wenn ich an das Studium denke, zieht sich direkt etwas in meiner Brust zusammen, ich werde nervös und will einfach nicht darüber sprechen. Seit ich den Entschluss gefasst habe, mein Leben endlich so zu leben, wie ich es möchte und wie ich denke, dass es mir gut tut, geht es mir zwar nicht supidupi, aber ich merke, dass ich offener und lebensfroher bin, wieder gerne rausgehe (das war für mich z.B. eine ganz große Hürde während des Studiums). Mich plagen zwar unendlich große Zukunftsängste, aber ich schätze, das ist normal und die verfolgen jeden. Ja, ich bin zufrieden – ich bereue einzig und allein, dass ich so viel Zeit vergeudet habe und nicht stark genug war, eine solche Entscheidung früher zu treffen.

Macht es viel aus, ob dir die Bücher die der Verlag in dem du arbeitest verlegt, zusagen bzw. du selbst lesen würdest?

Ich für mich sehe das Ganze relativ. Ich arbeite in einem Publikumsverlag, der pro Halbjahr um die 300 Titel verlegt – es ist glasklar, dass mir nicht jedes Buch gefallen oder zusagen kann, schlicht und ergreifend, weil das Haus so viele Imprints unter seinem Dach vereint, die eben nun mal nicht alle meinen Geschmack oder meine Interessen treffen können. Eine bestimmte Schnittmenge halte ich aber für mich für unerlässlich – ich möchte mich schon gerne mit dem Verlag, in dem ich arbeite identifizieren können und die Bücher, die dort erscheinen, mit einigen grundlegenden Prinzipien von mir vereinbaren können. Das ist glücklicherweise auch bisher noch kein Problem gewesen.


Danke für eure zahlreichen spannenden Fragen! Ich hoffe, ich konnte damit einen kleinen Einblick in meine Ausbildung gewähren und beantworte – falls weitere Fragen aufkommen sollten – diese gerne in den Kommentaren oder in einem weiteren Blogpost. 

7 Kommentare zu „[Off Topic] Von meiner Ausbildung zur Medienkauffrau Digital & Print

Gib deinen ab

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Und oh – dann muss ich ihr ja begegnet sein, ich war ja auch grad erst da! Magst du mir verraten, in welchem Verlag du arbeitest? :D

  1. Super interessanter Beitrag!
    Vielleicht ist diese Ausbildung auch etwas, das ich in Betracht ziehen könnte – mir war im Vorhinein gar nicht bewusst, dass es sowas gibt!

    Schönes Wochenende!

    1. Ich bin auch eher zufällig darüber gestolpert, als ich mich darüber informierte, wie man in einen Verlag reinkommt – viele meiner Freunde und Bekannten hatten auch noch nie von der Ausbildung gehört. Ist echt eine super Sache! :D

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