[Rezension] Donal Ryan: „Die Lieben der Melody Shee“


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Donal Ryan / „Die Lieben der Melodie Shee“
aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
Diogenes Verlag, 01.04.2018
Gebunden mit Schutzumschlag, 304 Seiten, 22 €

Inhalt

Als Melodys Mann sich nach zwei Fehlgeburten heimlich sterilisieren lässt, beantwortet sie diesen Vertrauensbruch mit einer Affäre und wird schwanger – von einem ihrer Schüler. Das hat Konsequenzen im erzkatho­lischen Irland. Melody schwankt zwischen dem stillen Glück, das das werdende Leben in ihr auslöst, und der Schuld, die sie mit seiner Entstehung auf sich geladen hat. Doch die Entscheidung, die sie letztlich trifft, ist so unkon­ventionell wie mutig.

Meine Meinung

Mich zieht es oft und immer öfter zu Neuerscheinungen, die nicht dem kompletten Hype unterliegen, von denen ich bisher am besten noch überhaupt nichts gehört habe und die ich völlig unvoreingenommen für mich entdecken kann. Wie ich auf „Die Lieben der Melody Shee“ gekommen bin weiß ich schon gar nicht mehr genau, aber der Klappentext klang einfach so gut, eben nach genau dem, was ich gerne lese.

Melody wird schwanger, aber nicht von ihrem Mann, sondern von einem minderjährigen Traveller, dem sie das Lesen beigebracht hat. Die Beziehung zu ihrem Mann ging schon länger in die Brüche und als sie ihm ihre Schwangerschaft offenbart, verlässt er sie und sie bleibt allein zurück mit dem Embryo in ihrem Bauch und suizidalen Gedanken in ihrem Kopf. Als sie Martin, dem Vater ihres ungeborenen Kindes, ein Buch zurückbringen möchte, lernt sie eine Verwandte von ihm kennen, die junge Travellerin Mary, die sie von nun an begleitet und die eine eigenartige aber irgendwie auch sehr schöne Freundschaft verbindet. Durch sie gibt es auch einige Einblicke in die Kultur der Traveller, vor allem in ihre Form der Selbstjustiz, die zum Schluss auch in einen nervenaufreibenden Höhepunkt mündet.

Während der Plot an sich – bis auf den lauten Auftakt – in meinen Augen insgesamt aber doch eher unspektakulär ist, hat mich an diesem Roman vor allem der Tonfall und der Schreibstil von Donal Ryan fesseln können und irgendwie auch die Intention, die ich hinter der Geschichte vermutete. Es ging nicht darum, zu werten – denn sicherlich haben beide, sowohl Melody, als auch ihr Mann Pat viele Fehler in der Beziehung gemacht und sind wahrlich alles andere als perfekt. Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen – urteilt Donal Ryan nicht über die Figuren, sondern zeigt vielmehr, wie kompliziert Beziehungen sind, was Lebensumstände und Erwartungen aus ihnen machen können, wie sie aber auch wieder heilen können. Gerade Melodys Rückblicke in ihre Kindheit und Jugend haben viel über die Beziehung zu ihren Eltern, zu ihrer damals besten Freundin ausgesagt und waren – wenn sie auch nicht besonders schön waren – doch sehr aufrichtig und ehrlich.

Der Roman ist komplett aus Melodys Perspektive geschrieben – was manchmal etwas schade ist, da ich oftmals gerne auch mehr über die Gedanken der anderen Figuren erfahren hätte, gerade Mary ist ja ein ziemlich spannender Charakter. Dass Donal Ryan aber so authentisch über die Schwangerschaft einer jungen Frau erzählen kann, hat mich überrascht. Wenn ich etwas an diesem Buch fünf Sterne geben würde, dann wäre das mit großer Sicherheit der Schreibstil, der mich das Buch nahezu am Stück hat auslesen lassen.

Dennoch reichte all das aber nicht, um mich vollends zu überzeugen. „Die Lieben der Melody Shee“ ist intensiv und schön und rührt in dem Moment, in dem man es liest, an einem, aber es ist irgendwie auch kurzweilig und hat in mir einfach keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Allein wegen des Schreibstils wird dies aber sicher nicht mein letztes Buch des Autors gewesen sein.

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!

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