[Off Topic] Was ist eigentlich aus den Leseplänen meines Freunds geworden…?


Wer erinnert sich? Vor etwas über einem Jahr hatte ich eine kleine Challenge für meinen lesemüden Freund aufgestellt. Der findet Lesen nämlich eigentlich ziemlich cool, räumte sich selbst aber viel zu selten Zeit dafür ein, war überfordert von der Buchauswahl, die wir zu Hause hatten und wusste einfach nicht, wann und wie und mit was anzufangen. In meiner höchst zuvorkommenden Großzügigkeit sorgte ich also für einen Haufen an fünf feinen kleinen Büchern, die ich euch hier damals vorgestellt hatte und die ich für ihn als unglaublich passend empfand.

Hat er was davon gelesen? Hat er fünf Bücher geschafft? Hat er sich die Haare raufen müssen? Hat er ein Lieblingsbuch entdeckt? Ich hab ihn ein bisschen dazu gelöchert und auch gefragt, wie es denn eigentlich mit einer Challenge für 2019 aussieht…
2Spoiler: Er hat es geschafft und fünf Bücher gelesen – zwar nicht die fünf, die ich vorher für ihn zurechtgelegt hatte, aber das war ja von vornherein nicht der Anspruch gewesen – es ging nicht um die konkrete Auswahl der Bücher, sondern vielmehr um die Herausforderung, überhaupt fünf Bücher zu lesen. Die abgebildeten fünf sind es geworden – ich habe ihn noch ein bisschen über das Projekt an sich ausgefragt.

Welches deiner fünf gelesenen Bücher hast du am liebsten gelesen?

Schwierige Frage. Ich glaube, ich habe alle Bücher mit 5 von 5 Sternen bewertet, ein Buch hat mich jedoch besonders mitgerissen: „Wir hier draußen“ von Andrea Hejlskov. Ein Buch über eine Familie, gefangen in einer immer moderner werdenden und von Konsum gelenkten Welt, die mehr und mehr an der sozial verrohenden Gesellschaft zu zerbrechen scheint, dann aber einen Neubeginn schafft und längst verloren geglaubte Werte und Wissen wieder erlebt. Am Ende des Buches blieben Fragen, kamen Antworten, wurden Nachforschungen angestellt und insgesamt hat die Lektüre die Welt und mein Leben in ein anderes Licht gerückt. Für mich war das daher das liebste Buch aus meinem kleinen Stapel.

Ist es dir denn schwer gefallen, Zeit für die Bücher zu finden oder hast du schneller gelesen als erwartet?

Ja, leider ist es mir in der Tat sehr schwer gefallen. Ich brauche zum Lesen einfach eine bestimmte Atmosphäre und vor allem keinen Zeitdruck. Für mich sind solche Momente im normalen Alltag jedoch sehr selten. Vielleicht neige ich da manchmal aber auch zu einer gewissen Faulheit. Die beste Zeit zum Lesen ist im Urlaub oder an sonnigen Sonntagen auf der Couch. Hoffentlich erlebe ich dieses Lesejahr mehr solcher Momente.

Was war für dich die größte Herausforderung? Konnte dich ein Buch so gar nicht packen?

Die größte Herausforderung ist – neben der Leseatmosphäre – auch eine gewisse Atmosphäre im Buch. Schwer erklärbar und vielleicht auch oberflächlich, aber wenn mich ein Buch innerhalb der ersten 20 bis 30 Seiten nicht packt, lege ich es halt auch zur Seite. So geschehen bei Murakami. Keiner der zwei bisher angefangenen Murakamis hat mich begeistert. Oftmals ist es aber auch nur ein Gefühl – nicht mehr, nicht weniger.

Welche Erwartungen hattest du vor diesem Projekt und konntest du diese erfüllen?

Im Allgemeinen hatte dieses „Projekt“ ja das Ziel, mich zum Lesen zu animieren. An mich selbst hatte ich die Erwartung gestellt, auch wirklich alle Bücher vom Stapel zu lesen. Ich habe mir das Ganze aber wesentlich einfacher vorgestellt. Es gab Zeiten, in denen ich schneller vorankam, aber dann gab es auch wieder laaaaaange Ruhepausen, in denen ich gar nicht gelesen habe. Ehrlich gesagt hatte ich sogar gehofft, dass ich mehr Bücher schaffen würde als die vorgegebenen. Vielleicht schaffe ich das ja dieses Jahr.

Du hast dich ja nicht komplett an die Lesepläne gehalten, die ich dir vorgegeben habe. Wonach hast du denn entschieden, welches Buch du als nächstes lesen willst?

Ich bin da extrem oberflächlich. Ich schaue, ob mich der Einband anspricht, dann erst schaue ich mir den Inhalt an und zum Schluss kommt es wie schon erwähnt auch darauf an, was die ersten Seiten des Buches so bereithalten. Manchmal werde ich überrascht und verweile in der Geschichte, ab und zu kommt es aber auch zum Bruch mit dem Buch. Ein bisschen wie das erste Treffen mit einem unbekannten Date.

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Was willst du dieses Jahr besser machen? Und wie kam es dazu, dass du die Anzahl der Bücher aufgestockt hast?

Ich möchte mir dieses Jahr unbedingt mehr Freiräume zum Lesen schaffen. Bisher ist das auch ganz gut gelungen, da ich „schon“ 2 1/2 Bücher gelesen habe. Außerdem habe ich auch richtig viel Ehrgeiz gesammelt, als beim Weihnachtstreffen der Book Unicorns (*Liesas Buchclub mit drei guten Freundinnen) gefühlt nur über Bücher geredet wurde. Und so groß ist der Stapel auch nicht – mir kommt er eigentlich sehr mickrig vor, aber es sollte zu schaffen sein.

Welches Buch aus dem neuen Stapel reizt dich denn am meisten? Von welchem erwartest du dir besonders viel?

Puh. Zwei der Bücher aus dem Stapel habe ich bereits gelesen. „Loyalitäten“ von Delphine de Vigan habe ich mit sehr hohen Erwartungen gelesen und war dann doch etwas enttäuscht. Dagegen fand ich an „Lily und der Oktopus“ von Steven Rowley überraschend viel Vergnügen – vor allem sehe ich das Bellen eines Hundes jetzt in einem ganz anderen Licht. Ich hatte beim Lesen echt alle Emotionen, hab es geliebt und gehasst.

Gespannt bin ich auf „Sonne und Beton“ von Felix Lobrecht (da bekennender Hacki – jeden Mittwoch „Gemischtes Hack“, hört mal rein!) und „Ellbogen“ von Fatma Aydemir, da ich die aktuelle Thematik sehr spannend finde und auch meinen eigenen Horizont erweitern möchte.


Das Experiment kann damit wohl als geglückt abgehakt werden – besonders schön finde ich die Tatsache, dass Tim unbedingt 2019 damit weitermachen wollte und ich ihm wieder einen kleinen Stapel zusammenstellen durfte. Und ich für meinen Teil freue mich auch schon sehr auf das gemeinsame Lesen im Urlaub oder an Sonntagen gemeinsam auf der Couch! Worüber ich mich aber am meisten freue, ist tatsächlich der Austausch – ich denke vor allem daran zurück, als Tim „Vom Ende der Einsamkeit“ gelesen hat und mich stündlich über den Verlauf des Buches und seine eigenen Befindlichkeiten geupdated hat (mit dem Fazit: „Eine wirklich schöne Geschichte! Wie für mich gemacht!!! Dankeschön!“). Mal sehen, über welche Bücher wir dann dieses Jahr noch so diskutieren werden…

2 Kommentare zu „[Off Topic] Was ist eigentlich aus den Leseplänen meines Freunds geworden…?

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  1. Aww ist das schön! Wie passend auch das Interview-Format für dieses Fazit. Ich finde es total spannend zu hören wie die Erfahrung von Tim war und fühle mich total geehrt, dass wir Book Unicorns ein bisschen zur Motivation beitragen konnten. Wahrscheinlich sollten wir auch eine Sommerparty veranstalten, damit diese Motivation nicht erst im Dezember an die Tür klopft xD Ich wünsche ihm ganz viel Erfolg und vor allem tolle Bücher für dieses Lesejahr :D

  2. Ich finde es echt super, dass du deinen Freund dazu bewegen konntest, mehr zu lesen und er tatsächlich Freude daran gefunden hat. Es ist immer so schön, sich anschließend über die Bücher auszutauschen. :)

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