[Off Topic] Von Abschlussprüfungen, neuen Herausforderungen und Blogpausen


Puh, Leben kann ganz schön anstrengend sein. Dass hier in den letzten Monaten quasi nichts auf dem Blog stattgefunden hat, hatte verschiedene Gründe – daher (und weil ich auf Twitter eine Umfrage gemacht habe und die meisten für ein Lebensupdate waren) würde ich euch heute gerne mal ein bisschen erzählen, was die letzten Wochen so los war, wie es mir geht und so weiter. Ich mag das ja inzwischen eigentlich ganz gerne, meinen privaten Kram bei mir zu lassen und meine Accounts in den sozialen Medien wirklich nur für buchbezogene Dinge zu benutzen, aber so ganz im Dunkeln mag ich euch auch nicht lassen – vor allem nicht, nachdem ich wirklich so lange nichts mehr hier von mir habe hören lassen.

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Für mich war der Start in das neue Jahr extrem seltsam – ich war am 02. Januar schon auf dem Weg zu meinem zweiten Schulblock in Frankfurt auf dem mediacampus und während ich den ersten Monat eines neuen Jahres sonst immer sehr liebe, weil sich alles frisch und neu anfühlt, war es für mich dieses Jahr einfach nur stressig. Versteht mich nicht falsch – ich hab mich auch gefreut, wieder da sein zu dürfen, meine Freund*innen wieder zu sehen, coole Veranstaltungen mitzuerleben (und davon hatten wir einige, nicht zuletzt das Bergfest mit Michi Buchinger, das ich zusammen mit meiner Mitazubine Caro ausgerichtet habe oder der Besuch von Takis Würger), neue Dinge zu lernen. Aber musste es einen Tag nach Neujahr sein? Für mich war es einfach unentspannt und ich habe die „Nachwirkungen“ noch bis in den März gespürt. Möglicherweise bin ich einfach sehr empfindlich, aber das hat für mich vieles aus dem Gleichgewicht gebracht. Gepaart damit war für mich außerdem ohnehin eine große Angst – denn Mitte des Jahres ist meine Ausbildung vorbei. Wie es danach weitergehen soll, hat mich schon 2018 stark beschäftigt, aber Anfang des Jahres wurde es für mich besonders anstrengend, weil es für mich so unmittelbar bevorstand. Ich bin ein Mensch, der extrem schlecht mit Unsicherheiten umgehen kann. Ich brauche immer einen festen Plan, etwas, woran ich mich halten kann, einen Wegweiser durch mein eigenes Leben. Ich habe lange gehofft, dass ich nach meiner Ausbildung in meinem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten kann.

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Im Februar ist dann aber eh erstmal was viel wichtigeres passiert – meine Schwester hat ihren Sohn zur Welt gebracht und ich bin zum ersten Mal Tante geworden! Krasses Gefühl, auch seine eigene Schwester plötzlich in dieser Mutterrolle zu sehen. Ganz seltsam und ganz wunderschön! Ich bin extra aus Frankfurt nach Hause gefahren für diese großartige Sache und habe mich so sehr gefreut, dass es allen gut ging. Wie ungewohnt und schön das auch ist, plötzlich so ein nagelneues Familienmitglied zu haben. Den Schmollmund würde ich am liebsten den ganzen Tag abknuddeln.

Im März ging es nach erfolgreichem Abschluss der Berufsschulprüfungen auch final wieder nach Berlin und für mich begann ein ziemlich nervenaufreibender und anstrengender und tränenreicher Teil: Die Jobsuche. Klar, ein paar Monate waren ja noch Zeit, aber ich wusste, dass ich es mir nicht leisten kann, Zeit zwischen Ausbildungsende und Jobbeginn verstreichen zu lassen, da ich auf das Geld angewiesen bin. Ich kann es außerdem auch nicht erwarten, endlich mal richtiges Geld zu verdienen. Mein Freund und ich haben uns das mit den Finanzen prozentual gesehen ganz gut aufgeteilt die letzten Jahre, aber ich freue mich schon sehr darauf, wenn ich ihm nicht mehr so dermaßen auf der Tasche liegen muss und auch mal einen vernünftigen Beitrag zu Miete, Lebensmittel & Co. dazugeben kann. Außerdem musste ich ja auch rechtzeitig wissen, ob ich nicht eventuell doch wegziehen muss. Mir war von Beginn an klar, dass ich das eigentlich vermeiden möchte, dennoch muss man ja alle möglichen Optionen irgendwie berücksichtigen.

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Es gab also Gespräche mit dem derzeitigen Arbeitgeber und es gab haufenweise Bewerbungen. Okay, haufenweise ist übertrieben. Aber es waren doch einige und ich habe mich echt sehr ins Zeug gelegt. Der März war vor allem Bewerbungshochphase bei mir und dann, Mitte des Monats, wurde ich plötzlich krank und lag eine Woche mit Grippe im Bett. Natürlich genau zur Leipziger Buchmesse. Timing kann ich. Ich war  unglaublich genervt von mir selbst, obwohl ich ja eigentlich gar nichts dafür konnte. Alles regte mich auf und ich war einfach permanent unentspannt, weil sich alles so kompliziert anfühlte. Eine Weiterbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb war nicht möglich, Jobangebote in der Buchbranche in Berlin gab es gefühlt keine, zumindest keine, für die ich qualifiziert war oder die in Bereichen lagen, in denen ich arbeiten kann und möchte.

An den April kann ich mich irgendwie kaum noch erinnern. Ich hatte nur einige wenige Bewerbungsgespräche, denn die meisten Unternehmen, bei denen ich mich beworben hatte, lehnten mich entweder direkt von vornherein ab oder meldeten sich einfach gar nicht bei mir. Aber nach Ostern ging es für mich dann ohnehin nur noch darum, mich auf die schriftlichen Abschlussprüfungen vorzubereiten. Es ist nur eine Ausbildung, dachte ich immer, aber es ist echt fatal, wenn man eine Ausbildung so unterschätzt. Ich hatte ja eigentlich schon in der Berufsschule gemerkt, dass das ganz schön krass ist, was man lernt und dann alles zu einem bestimmten Punkt abrufbereit zu haben – puh. Wenn ich jetzt im Nachhinein überlege und nochmal auf die letzten Monate zurückschaue, fühlt sich dieses Jahr nicht nur schon unglaublich lange an, sondern es fühlt sich auch wie eine permanente Prüfung an, von der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie denn jetzt bestanden habe oder nicht. Ein schweres Jahr bisher für mich und das, obwohl nicht mal irgendwas wirklich schlimmes passiert ist.

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Die letzten Monate sind auch von Schuldgefühlen geprägt und das klingt jetzt vielleicht etwas melodramatischer, als es ist. Trotzdem beschäftigt es mich sehr – ich habe alles um mich herum ignoriert und war permanent mit mir selbst und mit meinen (Zukunfts-) Ängsten beschäftigt, habe mich viel zu wenig mit Familie, meinem Freund und vor allem auch meinen Freunden beschäftigt. Mir war schon mein eigener Kram zu anstrengend, wie soll ich da denn auf die Probleme anderer eingehen? Ich nehme mir keine Zeit, um mich mit Freunden zu treffen, freie Minuten verbringe ich an die Decke oder aufs Smartphone starrend auf meiner Couch. Der Stress, die Anspannungen die 2019 mit sich gebracht hat, das alles war Ballast, mit dem ich überhaupt nicht umgehen kann. Ich wünsche mir sehr, dass für die Zukunft ändern zu können, denn diese Unfähigkeit gerade mit dem Stress umzugehen, ist auch wieder zusätzlicher Stress. Ich habe wieder begonnen, hin und wieder zu meditieren und ich möchte mir auch unbedingt einen Sport suchen, um Ausgleich zu finden. Und gerade jetzt, wo ich die Prüfungen hinter mich gebracht habe, habe ich vielleicht auch endlich wieder Atem und Nerven für schöne Sachen und Dinge, die mir gut tun.

In den letzten Monaten hat mich auch eine Frage recht oft umtrieben: Was soll ich mit dem Blog anstellen? Für mich ist das Bloggen ein wirklich tolles Hobby, ich vermisse es auch regelmäßig, vor allem in Zeiten, in denen ich hier so lange nicht auftauche. Gleichzeitig verschlingt es unfassbar viele Kapazitäten und erreicht nur noch wenige Menschen. Bloggen ist in Zeiten von Instagram & Co. einfach out, zu sperrig, zu umständlich. Zu viel Text, zu anstrengend, überhaupt erst den Weg hier her zu finden. Lohnt sich das alles dann überhaupt noch? Ich habe das alles noch nicht zu Ende gedacht, aber es beschäftigt mich wirklich oft.


Ihr wolltet ein Lebensupdate – hier ist es. Ehrlich und ungefiltert und viel zu lang, hoffentlich trotzdem auf irgendeine Art oder Weise interessant. Innerlich hoffe ich ja, dass ich jetzt, wo der Großteil des Stresses von mir abgefallen ist, wieder regelmäßig zu bloggen, aber ich mach mir keine Illusionen. Trotzdem – vielleicht hören wir ja bald schon wieder voneinander. Ich würde mich freuen und ich hoffe, es geht euch gut!

7 Kommentare zu „[Off Topic] Von Abschlussprüfungen, neuen Herausforderungen und Blogpausen

  1. Liebe Liesa,
    das klingt wirklich nach einem anstrengenden Jahr! Ich drücke dir die Daumen, dass sich die Situation bald wieder entspannt. Und vielleicht hast du dann ja auch wieder mehr Zeit zum bloggen. Ich kann deine Zweifel bezüglich Blog vs. Instagram & Co. gut verstehen. Aber (ganz egoistisch gesprochen): Ich persönlich fände es schade, wenn ich deine Rezensionen und Lesemonate nicht mehr hier lesen könnte, sondern nur noch auf Instagram – wo das ja alles irgendwie unübersichtlicher und viel kürzer ist …
    Am wichtigsten ist aber, dass es dir gut geht und dass du Zeit für die Dinge hast, die dir wichtig sind.
    Viele Grüße
    Felicitas

  2. Hallo,

    ich hatten meinen zweiten Schulblock in Frankfurt im Dezember 1997, das war auch einerseits toll, andererseits stressig (wegen Weihnachten, weil zwischendurch die Heizung ausfiel, natürlich auch wegen der Prüfungen und weil ich ob des ganzen Stresses Gürtelrose bekam). Und dazu kam, dass meine Freundinnen aus dem ersten Schulblock ihren zweiten Block an einem anderen Termine hatten, was ich unheimlich schade fand.

    Dennoch gehört die Zeit in Frankfurt immer noch zu meinen liebsten Erinnerungen.

    Ich kann dich aber sehr gut verstehen, ich bin auch jemand, der nicht gut mit Unsicherheit umgeht, und für mich war es damals auch ein echtes Drama, dass ich mir nach der Abschlussprüfung eine andere Buchhandlung suchen musste, weil mein neuer Chef nicht alle Azubis übernehmen konnte. (Der alte Chef musste die Buchhandlung verkaufen, weil er massiv Alzheimer hatte.)

    Glückwunsch zum ersten Neffen! Ich habe mich über meine erste Nichte auch unglaublich gefreut. :-) Und natürlich Glückwunsch zu den bestandenen Berufsschulprüfungen.

    Wie schade, dass die das Fieber die Leipziger Buchmesse verhagelt hat… :-(

    Mir ist auch schon aufgefallen, dass mein Blog nur noch wenige Menschen erreicht, das finde ich unheimlich schade. Obwohl ich selber Instagram und Co. nutze, sehe ich diese Plattformen nicht als Ersatz für einen Blog – gerade beim Thema Bücher finde ich die Schnelllebigkeit und notwendige Kürze, um dort Fuß zu fassen, ungeeignet.

    Ich wünsche dir wirklich, dass für dich bald alles weniger stressig wird und sich alles findet.

    LG,
    Mikka

  3. Ich verstehe zwar, was du meinst mit dem Bloggen und dass es irgendwie umständlich ist und nicht so viele Leute erreicht (zu erreichen scheint?), aber ich fände es schön, wenn du ein bisschen umdenken könntest :) Ich beobachten ja genau das gleiche, aber ich mag meinen Blog trotzdem nicht aufgeben. Ich finde es schön diesen Ort zu haben, an dem ich ganz allein bestimmen kann, der nicht so geformt ist von Feeds und Likes und den ich mir ständig mit anderen Usern teilen muss. Ich kann dort posten, was ich möchte, mir auch mal wirklich Zeit nehmen Gedanken auszuformulieren und die Gestaltung ist auch mir überlassen. Ich bloggen in erster Linie für mich selbst. Weil ich es mag dort Texte gesammelt zu haben, auf die ich stolz bin und auch Jahre zurückscrollen zu können und meine Entwicklung zu beobachten. Deshalb fände ich es total schön, wenn du deinen Blog nicht aufgibst. Deine Texte sind immer so schön, es wäre sehr schade drum. Also vielleicht hilft es dir, wenn du es mehr für dich machst (insofern du das möchtest oder dir das wichtig ist) und weniger für die Besucher.innen.

    1. Danke für deinen Input! Ich finde selbst doof, dass ich manchmal so fixiert auf Wachstum bin, auf Instagram ist es im Prinzip genau dasselbe bei mir. Ich blogge in erster Linie auch für mich selbst, habe aber gleichzeitig das Bedürfnis, dass ich damit möglichst viele Menschen erreichen möchte. Und weil das nicht mehr wirklich möglich ist, nehme ich mir so gut wie nie die Zeit, um mich für einen Blogpost hinzusetzen und meine Gedanken aufzuschreiben, was echt schade ist. Ich versuche jetzt, wo mein Kopf wieder etwas freier ist, wieder öfter hier präsent zu sein – eben auch, weil es ein großartiges Gedankenarchiv ist, von dem ich in 10 Jahren noch etwas habe. Ich habe in den letzten Wochen echt viel drüber nachgedacht und deine Worte haben echt nochmal einen neuen Gedankenprozess in mir angestoßen – danke dafür!

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