Das Ding mit der Zeit


Das ist nicht der drölfzigtausendste Artikel darüber, wie man mehr Zeit zum Lesen schafft. Falls Du auf der Suche nach einem solchen Post warst, entschuldige ich mich, aber wie es der Zufall will, habe ich auch darüber schon mal geschrieben und Du kannst meinen Senf dazu gerne hier nachlesen.

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Nein, heute soll es ganz allgemein um Zeit gehen. Wie oft liest man von Menschen, die sich wünschen, der Tag hätte mehr als 24 Stunden, die Woche mehr als 7 Tage, wie oft hört man in seinem eigenen Bekanntenkreis, dass Menschen über fehlende Zeit klagen und gleichzeitig händeringend nach Dingen suchen, die ihnen zumindest etwas Entschleunigung im Alltag geben. Täglich gibt es tausend Dinge zu erledigen, Mails zu beantworten, Termine zu vereinbaren und einzuhalten, es gibt täglich zig neue Nachrichten, Instagram-Posts, Blogbeiträge zu lesen, Videos und Bilder anzusehen, man verbringt einen großen Teil des Tages auf Arbeit, möchte Freunden und Familie gerecht werden, will sich selbst aber nicht vernachlässigen und ach, kochen und Haushalt gehören auch noch zu der schier nicht enden wollenden Liste an Dingen, die Tag für Tag auf unsichtbaren To-Do-Zetteln stehen, die das Gehirn verstopfen. Ich hab das oft, das Gefühl, dass meine Gedankengänge verstopft sind, weil sich dort so viele Dinge anstauen, die ich tun muss und möchte und während ich eine Aufgabe erledige, denke ich gleichzeitig schon daran, wie, wo und wann ich die nächste bewerkstelligen könnte. Mein Achtsamkeitslevel ist auf glatten minus 100 unterwegs, ich bin nicht mal ansatzweise im Moment, bin unkonzentriert und werde fahrig und mein inneres Ungleichgewicht ist so groß, das es fast schon körperlich weh tut.

Kennt ihr das? Warum ist das so? Wieso fühlt Zeit sich wie der größte Gegner an, statt wie ein Verbündeter?

Damit habe ich mich in den letzten Wochen etwas intensiver beschäftigt. Ich bin wirklich kein perfekt organisierter Mensch und ich verschwende meine Zeit auch sehr oft einfach nur mit Belanglosigkeiten, die ich mir auch hätte sparen können. Daran etwas zu ändern, war mir ein dringendes Anliegen, weil ich merkte, wie sich durch das Zeitproblem eine gigantische Unzufriedenheit in mir anstaute, mit der ich nicht umzugehen wusste. Daher stellte ich mir zwei große Fragen: (1) Wieso habe ich das Gefühl, immer zu wenig Zeit zu haben? (2) Wie kann es mir längerfristig gelingen, mein Leben zu verlangsamen und Zeit als Verbündete wahrzunehmen?

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Wieso habe ich das Gefühl, immer zu wenig Zeit zu haben?

Die Antwort ist leider ganz einfach: Weil es einem so vorgelebt wird und ich diese Einstellung einfach über Jahre verinnerlicht habe. Gesellschaft, Eltern, Umfeld, das Internet, ich selbst. All jene haben in mir eine verkehrte Mentalität gepflanzt, diese gehegt und gepflegt, so dass ihre Wurzeln sich inzwischen einfach nicht mehr so leicht aus meinen Gedanken entfernen lassen. Sich davon jetzt von einen Tag auf den nächsten zu lösen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Allein das Bewusstsein dafür geschärft zu haben, hat mir zumindest aber schon mal etwas geholfen, mein Denken zu verändern. Es fällt mir immer noch schwer, mich nur auf den Moment zu konzentrieren, in dem ich gerade bin und nicht schon an die nächste Herausforderung zu denken. Dinge nur mit halber Konzentration zu erledigen bzw. gleichzeitig an fünf offenen Wunden gleichzeitig herumdoktern zu wollen, ist etwas, das ich mir leider angewöhnt habe, und womit ich nur schwer wieder aufhören kann. Ich habe das Gefühl, dass das der einzige Weg ist, damit ich mich nicht machtlos fühle, wenn ich an all das denke, was noch zu tun ist.

Für mich ist es daher wichtig geworden, meine Tage zu strukturieren. Ich arbeite daran, mich an To-Do-Listen zu gewöhnen, die beruflich und privat aus höchstens 5 Punkten pro Tag bestehen. Um das Zeitproblem zu lösen, ist gute Planung (leider) das A und O – ich gehöre zu den Menschen, die immer unfassbar gut organisiert sein wollen, aber früher oder später aus Zeitmangel (haha) dann doch wieder aufhören mit der regelmäßigen Pflege des Kalenders. Ein großer Fehler. Denn auch wenn es scheint, als wäre es Zeitverschwendung, sich Tag für Tag 15 Minuten zu nehmen, um die nächsten Tage zu strukturieren und Aufgaben zu verteilen, sind das die sinnvollsten 15 Minuten, die Du vermutlich investieren kannst. Ein Profi bist Du, wenn es Dir nicht nur gelingt, die kommende Woche durchzuplanen, sondern auch schon mal einen groben Plan für das kommende Jahr/halbe Jahr/Quartal aufzustellen. Da muss nicht jeder Termin fixiert sein, es hilft mir aber dabei, längerfristige Ziele im Blick zu behalten, Projekte nicht immer wieder auf die lange Bank zu schieben und den Fokus auf Herzensdinge zu bewahren. Denn andererseits – so habe ich es persönlich zumindest erlebt – bist Du passiv, verlierst wichtiges aus dem Blick, reagierst nur noch auf das, was um Dich geschieht und bist nicht mehr Herrin über Dein Leben. Dieses von der Zeit Treibenlassen hat mir wirklich viel schlechte Laune in den vergangenen Monaten beschert und ich möchte genau das nicht mehr, weil es mich unglaublich stresst, mich unglücklich macht und mir das Gefühl gibt, ich hätte nichts in meinem Leben auch nur ansatzweise im Griff.

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Wie kann es mir längerfristig gelingen, mein Leben zu verlangsamen und Zeit als Verbündete wahrzunehmen?

Pausen sind das Zauberwort. Und zwar Pausen, in denen man ohne Handy und ohne Stoppuhr einfach fünf Minuten nichts tut, meditiert, bewusst atmet, sich die Füße vertritt, Vögel beobachtet oder in den Himmel schaut. Sich bewusst aus dem Alltagstrubel rauszunehmen und eine kleine Insel der Entspannung zu schaffen, ist so wertvoll und dennoch tun wir es viel zu selten. Gleichzeitig hat es zumindest mir auch geholfen, Zeit nicht mehr als „meine Zeit“ wahrzunehmen, sondern schlicht als „Zeit“. Keine Zeit ist verloren oder kann durch mich kontrolliert werden. Zeitprobleme zeigen mir, dass ich mich damit beschäftigen sollte, was mir wichtig ist und worin ich Energie investieren möchte. Wichtiges Stichwort ist hier auch Priorisierung – eine Kunst, die leider nur die wenigsten von uns beherrschen. Im Zusammenspiel mit meinen höchstens-5-Punkte-To-Do-Listen ist Priorisierung aber umso wichtiger. Dafür habe ich mir drei Kategorien geschaffen – ganz klassisch A-B-C. Je nach Dringlichkeit und Umfang werden alle Aufgaben für die Woche also in eine Rangfolge gebracht. Wichtig: Wenn möglich vermeide ich es, an einem Tag fünf A-To-Do’s abzuarbeiten, eine gute Mischung ist meist am angenehmsten.

Das wichtigste ist für mich aber gleichzeitig, stets im Moment zu sein. Sobald ich merke, dass meine Konzentration und mein Fokus verrutschen, wird eine kurze Pause gemacht, denn ich möchte nicht mehr diesen seltsamen Strudel, bei dem ich am Ende des Tages irgendwie nie wirklich wusste, was ich an dem Tag überhaupt gemacht und geschafft habe. Ich möchte bewusst im Moment sein und mich nicht ständig von links und rechts ablenken lassen. Klappt leider nicht immer, aber ich übe und habe das Gefühl, je länger ich es probiere, desto besser werde ich darin.

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Letztendlich beruht alles irgendwie auf guter Planung. Für mich ist das beste Tool, um sinnvoll zu planen, zum einen mein digitaler Terminkalender, in dem grob die wichtigsten Termine stehen (ich nutze dafür TimeTree) aber auch mein analoger Kalender von Ein guter Plan. Das ist keine Werbung, ich habe den Planer aus diesem wie auch bereits den für das nächste Jahr mit meinen eigenen Moneten bezahlt, aber es ist eine Empfehlung von Herzen, weil die Kalender einfach großartig sind. Nicht nur hilft er nämlich dabei, den eigenen Alltag organisiert zu bekommen, sondern er unterstützt auch dabei, einen klaren Kopf zu behalten, auf die eigene psychische und physische Gesundheit achtzugeben und sich immer wieder der Meilensteine bewusst zu werden, die man schon erreicht hat. Durch gezielte Bestandsaufnahme zu Beginn des neuen Jahres, zum Ende eines jeden Monats und auch nach einem Quartal verschiebt sich der Fokus nur noch selten und es fällt viel leichter, sich Ziele zu setzen und scheinbare Hindernisse schon im Voraus wahrzunehmen und zu überwinden. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung, ich habe mir auch schon meinen Kalender für 2020 gekauft und kann es kaum erwarten, damit loszulegen.


Wie geht ihr mit Zeit um, habt ihr auch oft das Gefühl, es wäre viel zu wenig Zeit für all das, was ihr gerne tun wollt, müsst, sollt? Habt ihr Mechanismen, um dieses Gefühl loszuwerden oder seid ihr ohnehin ganz gelassen und lebt einfach in den Tag hinein? Und was mich auch interessieren würde: Wie organisiert ihr euch und seid ihr Team „Kalender“ oder Team „am Handy reicht aus“?

3 Kommentare zu „Das Ding mit der Zeit

  1. Hey, ich habe mir in letzter Zeit auch meine Gedanken zum thema Zeit gemacht. Ich stehe jedoch im Vergleich zu dir auf der anderen Seite. Ich hatte innerhalb eines Jahres zu viel Zeit. Das hängt damit zusammen, dass ich ein Fach studiere, dass nicht sonderlich viel von seinen Studierenden verlangt. Das ist einerseits natürlich wunderschön. Andererseits ist mir schnell aufgefallen, dass ich gar nichts geschafft kriege, wen ich so viel Zeit habe. Die Tage sind einfach an mir vorbei gewischt und ich wusste nichts mit mir anzufangen. Im Vergleich dazu merke ich, dass ich vielmehr schaffe, wenn ich mehr zutun habe. Natürlich nicht, wenn ich gestresst bin, aber wenn ich ein gesundes Maß zwischen Uni, Arbeit, Projekten und eigenen Zielen habe. In diesem Semester habe ich es nun endlich geschafft, meinen Stundenplan etwas besser zu füllen mit Dingen, die mir Spaß machen. Trotzdem ist das alles ein Prozess und ich habe das Gefühl noch so viel lernen zu müssen um richtig mit meiner Zeit umzugehen. Und zu deiner Frage: Ich bin Team Kalender!
    Liebe Grüße an dich und Danke für die schönen Einblick in deine Sicht auf das Thema :)
    Marleen

  2. Dein Beitrag spricht mir so aus der Seele! <3
    Wenn ich meinen Kalender nicht hätte, wäre mein Leben schon längst völlig aus den Fugen geraten. :'D Gerade, wenn die Hektik wieder groß ist und kaum noch Zeit bleibt für die eigenen Gedanken im Kopf bin ich froh, wenn ich meinen Kalender heranziehen und ein bisschen Ruhe in das Chaos bringen kann. Dein Kalender fürs neue Jahr sieht echt super aus! Ich überlege schon, ihn meinem Partner anzudrehen, weil dem momentan auch alles über den Kopf wächst, er aber absolut kein Kalendermensch ist… aber was nicht ist, kann ja noch werden! :'D Danke für den Tipp! :)

    Liebste Grüße,
    Ida

  3. Total spannende Gedanken :D Ich habe das auch lange Zeit so gehandhabt mit der täglichen To-Do-Liste, allerdings habe ich mich da nicht auf 5 Punkte begrenzt, mal waren es weniger, mal mehr. In letzter Zeit habe ich aber auch bemerkt, dass mich das sehr eingeengt und belastet hat. Ich war sehr fixiert aufs Abhaken und die Liste hat nicht mehr den Zweck erfüllt meinen Kopf zu sortieren und mich zu organisieren, sondern hat mich mehr gestresst und mir jeden Tag wieder einen Haufen Arbeit aufgehalst. Deshalb probiere ich es jetzt gerade lieber mit einer allgemeineren Wochenliste, auf die nur einmalige Sachen kommen, also nichts, was ich sowieso jede Woche mache/n würde wie Blumen gießen oder putzen. Ist gar nicht so leicht gewesen am Anfang, aber ich merke dass mir das viel besser tut und es mir leichter macht, auch mal Sachen einfach sein zu lassen und mich stattdessen auszuruhen.

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